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Schulleben & Schulprojekte

Manuel Läßle zu Gast - Gänsehaut und Lebenszeichen

Manuel Läßle ist bei Ursula Gmähle in der Eugen-Grimminger-Schule zu Gast. Läßle ist ein gebürtiger Crailsheimer der jüngeren Generation.

 

Sieben Buchtitel, entspannt vorgetragene fachliche Tipps von Ursula Gmähle und den Crailsheimfan Manuel Läßle gab es bei einer neuen Ausgabe von „Erlesenes“ in der Eugen-Grimminger-Schule.

Petra Martin erstellte eine Rankingliste. Die Bibliotheksbeauftragte der EGS am Büchertisch sagte: „Herman Koch, ‚Angerichtet‘ ist ausverkauft.“ Das ist der Titel, den Manuel Läßle als Ehrengast vorgeschlagen hatte. Der 29-Jährige agierte mit der Sicherheit dessen, der weiß, wo er zu Hause ist. „Nach seiner Ausbildung zum Erzieher hier an der Eugen-Grimminger-Schule“, betonte Katrin Berk in ihrer Begrüßung der zahlreichen Gäste, „studierte Läßle Sozialarbeit und Sozialpädagogik.“ Er macht gerade seinen Master zum Suchttherapeuten, hat schon drei Bücher veröffentlicht und ist seit gefühlten 25 Jahren Kunde von Ursula Gmähle. Er legte schon sein Taschengeld in Büchern an.

„Gänsehautliteratur“, sagte Gmähle lachend und hatte „ein bisschen Muffensausen“ vor dem Lieblingsbuch des Abends gehabt. Läßle beruhigte: „Man kann nicht sein ganzes Leben lang Stephen King lesen.“ Ein etwas bissiger Ich-Erzähler, zwei Ehepaare im Restaurant, eine komödiantische Ausgangssituation, aus der sich Tragisches entwickelt. „Ein kurzes, vollkommenes Werk.“

Platz zwei des lokalen Rankings belegte der neue Paul Maar: „Das Sams feiert Weihnachten“. Gmähle: „Ich habe das hineinbeschissen, weil ich weiß, dass die Crailsheimer Paul Maar lieben.“ 
Von ihren regulär vorgestellten Werken war Ijoma Mangolds „Das deutsche Krokodil“ am begehrtesten. Der Literaturchef der „Zeit“ reiht mit gutem Humor einzelne Episoden aneinander aus seiner Kindheit und Jugend als einziger Sohn einer alleinerziehenden Mutter und eines wieder nach Nigeria zurückgekehrten Vaters. „Es ist ein heilloses Vergnügen, dieses Buch zu lesen.“

Auch Manfred Koch erwarb Läßles Buchtipp, aber auch „Sie kam aus Mariupol“ von Wodin Natascha. Was geschieht und was alles muss gewesen sein, wenn eine Ich-Erzählerin, um etwas über die eigene, 36-jährig freiwillig in den Tod gegangene Mutter zu erfahren, deren Namen erfolgreich in eine russische Suchmaschine eingibt?

Ähnlich ernst ist „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihar. Vier äußerst erfolgreiche Männer kennen sich seit sie im College mit 16 zusammengewohnt haben und kommen so langsam in die 50er. „So viele Verletzungen“, sagte Heide Ruopp. „Das kann man nicht lesen.“ Ihre Tochter Martina Topheide widersprach: „Aber man behält das.“ So kontrovers wie im Lesekreis in Langenburg sieht es auch Ursula Gmähle. Man erkennt die Voll­blut-Buchhändlerin, wenn sie dieses 980-Seiten-Werk empfiehlt. Sie beruft sich auf Volker Weidermann: „Ich bin zu Tränen gerührt“, und Denis Scheck: „Falls Sie im Frühjahr nur ein Buch lesen, dann tun Sie mir den Gefallen und lesen Sie dieses Buch.“

„Einzigartig schön“, findet Gmähle „Chiru“ von Michaela Murgia. Die Konstellation erinnert an Charlotte von Stein, unter deren ‚Regierung das Herz des jungen Goethe‘ stand (Sigrid Damm). Der 18-jähige Geiger Chiru bekommt von einer 20 Jahre älteren Schauspielerin eine Art Lebensschulung. „Einfach zu lesen. Ich leg’s Ihnen ans Herz“, schwärmt Ursula Gmähle, die ihre Empfehlungsrunde mit Richard Ford schließt. Der Ich-Erzähler, Einzelkind, rekonstruiert in „Zwischen ihnen“ sein Leben mit, beziehungsweise zwischen seinen Eltern. In der Erzählweise der Postmoderne erinnert er sich teilweise unzuverlässig und lässt Unstimmigkeiten auch bestehen. „Man geht es mit dem Bleistift durch und möchte alles anstreichen“, sagt die Buchexpertin. „Ein wunderbares Buch über Eltern, wo man sich fragt, wer sind sie und kenne ich sie?“

HT-Artikel